Die aus Harmonie hervorgehende Schönheit ist ein Anliegen abendländischer Künste und zentrales Element von Architektur und Musik. Beide Gattungen sind mehr oder minder gut lesbare Abbilder von Konzepten, die harmonischen Gesetzmässigkeiten oder disharmonischen Brüchen derselben folgen. Zahl, Mass und Proportion bilden hier die Grundlage für eine ästhetische Vollkommenheit.
Nicht zuletzt ist es das spannungsvolle Gegenüber der Raumkunst Architektur zur Zeitkunst Musik. Während ein Raum immer in seiner Gesamtheit auf den Betrachter wirkt, benötigt die Musik das Zeitquantum ihres Vortrags, um ihre Wirkung zu erzielen. Gerade hier entwickelt Moment Monument seine Qualität, indem nämlich beide Künste ineinander verschränkt werden. Das Raumerlebnis wird um die Komponente Zeit ergänzt, Architektur und Musik verschmelzen zu einem Gebilde in vier Dimensionen.
„Der Vorgang des Denkens ist nicht abstrakt, sondern arbeitet mit räumlichen Bildern. Er hat eine sinnliche Komponente. Er bedient sich der Bilder von Orten und Räumen, über die wir verfügen, die wir erinnern.
Der Vorrat an persönlichen und kollektiven Erfahrungen des Wohnens, die Erfahrungen des Sichaufhaltens an Orten und in Räumen, die wir in unseren Körpern gespeichert haben, betrachte ich als Nährboden und Ausgangspunkt meiner Arbeit.“


Peter Zumthor

 

Moment Monument IV

VERBORGENE GESELLSCHAFTSRÄUME

 

Samstag, 20. August 11.00–02.00 Uhr

Alte Bäder Nairs

Impressionen

 

Ein verlassenes Grand-Hotel, eine baufällige Trinkhalle, ein Park, alte Kellergewölbe – all dies finden wir rund um die alten Bäder in Nairs vor, gelegen  in einem schattigen Tal direkt am Inn. Diese Situation bietet ein Monument von ganz besonderer Atmosphäre zwischen Innen- und Aussenräumen, zwischen vergangenen Zeiten und der Gegenwart, zwischen Wirklichkeit und Immagination.


PROGRAMM

11.00–15.00 Uhr Vorträge und Führungen

Architekten, Heimatschutz-Beauftragte und KünstlerInnen beschäftigen sich mit dem Ensemble Nairs, seiner architetkonischen, kultur- und tourismushistorischen Bedeutung für das Unterengadin und gleichzeitig auch mit den Erhaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten der verschiedenen Gebäude.

Mit Hubertus Adam (Architekturkritiker und Leiter SAM Schweizerisches Architekturmuseum Basel), Dr. Cordula Seger (Kulturwissenschaftlerin), George Steinmann (Künstler), Dr. Tilo Richter (Architektur- und Kunsthistoriker), Christof Rösch (Architekt, Künstler und Künstlerischer Leiter NAIRS), Daniel Walser (Dozent HTW Chur, Architekt).


Details
11.00–12.30 Uhr, 20-minütige Vorträge und Führungen Block 1

12.30–13.30 Uhr, Mittagessen

13.30–13.45 Uhr, Grussworte von Martin Jäger, Regierungsrat Kanton Graubünden

13.45-15.00 Uhr, 20-minütige Vorträge und Führungen Block 2

 

15.00–17.00 Uhr, Öffentlicher Workshop mit Andri Probst, offen für alle interessierte. Inhalte: Raumwirkung der Musik untersuchen und erfahrbar machen. Anmeldung an info(at)momentmonument.ch

 

16.00–19.00 Uhr, Nairsünalb (schwarz-auf-weiss), InstallAction von Klara Schilliger und Valerian Maly, www.malyschilliger.ch

In ihrer ortsbezogenen Intervention zerreiben die beiden in Bern lebenden Performer Mineralien und malen damit. In einem magischen Akt loten Klara Schilliger und Valerian Maly den Raum der historischen Trinkhalle am Inn mittels ihrer Beschwörungsformel ‚Nairsünalb’ aus. Der Zuschauer wird auf eine Reise durch die bündnerischen Idiome mitgenommen. Dabei entdeckt er Spuren einer merkwürdigen feudalen Gesellschaftsordnung, die um Frauen herum organisiert ist.

 

20.00 Uhr, Konzert mit Ensemble ö! mit Werken von Anton Webern, Kaija Saariaho, Steve Reich, John Cage und George Crumb

Lichtkonzept: Men Duri Arquint

 

 ab 22.00 Uhr, Trauma Duo in der NAIRS Bar

Trauma Duo is: Trauma John (alias S. Ambrosi) and Duo Pad (alias S. Willenegger a.k.a. DJ Mastra)

http://www.myspace.com/traumaduo

 

Adresse: Zentrum für Gegenwartskunst, 7550 Scoul, www.nairs.ch

 


 

Moment Monument V

UNERFÜLLTE ERWARTUNG

 

Samstag, 10. September 20 Uhr

Chesa Planta Samedan

Impressionen

 

In einem alten Engadiner Patrizierhaus werden Details und Momente fokussiert und für die Dauer eines Musikstückes festgehalten. Ein Moment wird zu einem Monument und löst sich danach wieder in Luft auf. Der Moment wird nach dem Monument aber nie mehr der gleiche sein.

 

Lichtkonzept: Men Duri Arquint

Werke von Morton Feldman

Einführung: Dr. Tilo Richter

Adresse: Chesa Planta, Mulins 2, 7503 Samedan

 

 

Moment Monument VI

UNIVERSUM VS INDIVIDUUM / ILLUSION DES MATERIALS

 

Freitag, 23. September 19.30 Uhr
Heiligkreuzkirche Chur 

 

Samstag, 24. September 19.30 Uhr
Antoniuskirche Basel

 

Samstag, 1. Oktober 19.30

Heiligkreuzkirche Bern

 

Impressionen

 

Für das 6. Programm der Musik-Architekturreihe "Moment-Monument" wählte das Ensemble ö! neben den Betonkirchen Heiligkreizkirche in Chur und  Kirche Heilig Kreuz in Bern von Walter Maria Förderer die monumentale St. Antoniuskirche von Karl Moser in Basel aus. Die Architektur dieser sakralen Räume zeichnet sich dadurch aus, dass hier mit Beton Dinge realisiert werden konnten, die früher nur mit Holz möglich waren. Thematisch spielt die Konfrontation von Individuum und Universum in diesen Konzerten eine übergeordnete Rolle. Musikalisch gesehen handelt es sich hierbei um die Konfrontation von  Soloinstrument und Begleitkörper.

 

Lichtkonzept: Men Duri Arquint

Werke von Nadir Vanessa, Francesc Prat, Bruno Mantovani, Isang Yun und J.S. Bach

Einführung: Dr. Tilo Richter